segeln-mit-modell 

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auch wenn ich beim realen segeln sehr oft über gfk als baumaterial von derzeit wohl den meisten booten schon manches mal geflucht habe  - gfk ist laut bei schlechten bedingungen mit viel wellengang und auch der wohnkomfort in so ner plastikdose ist nich grade dolle (gfk atmet nicht, wenn man sich nich vorsieht, verwandelt sich das innere eines kunststoffbootes schnell in ne tropfsteinhöhle), so ist dieses glasfaserverstärkte kunststoffmaterial doch absolut ideal für den modellbau (leicht, elastisch, formstabil)

hat man erst mal ne vernünftige form, lassen sich relativ leicht ne menge abzüge herstellen, dass man z.b. ne ganze modellbau ag einer schule problemlos damit ausstatten kann 

das "kochrezept"

(kochen kanns wirklich, aber dazu später)

also man nehme:

1- einen vernünftigen riss eines vernünftigen bootes aus dem netz oder aus nem modellbuch, in form von seitenansicht, draufsicht und spantenriss

2- kopiert sich das ganze maßstäblich runter (z.b. auf den maßstab 1:10)

3- bastelt sich daraus spantenschablonen (die später von aussen wie ne fühllehre an die form gebracht werden können, um dieselbe in die passende form zu bringen)

4- besorgt sich ein passendes stück holz in einer schreinerei, und zwar aus einem material, das man leicht bearbeiten kann (z.b. meranti, ein rötliches tropisches gehölz, aus dem auch fensterrahmen hergestellt werden)

5- lässt - wenns irgend geht - diesen holzblock noch grob in die gewünschte form zuschneiden

6 - und lässt sich diesen klotz in der mitte (längsachse) teilen und wieder verdübeln

7- dann kommt die zeitaufwendigste arbeit: das zurechtfeilen des holzklotzes, des späteren abform-modells (für die nagativschalen)

6- ist die form nach überprüfung mit hilfe der spantenschablonen zufriedenstellend, sprich wirklich optimal und auch von der oberfläche absolut glatt wie´n kinderpoppo, klarlackt man das ganze so lange, bis das dingen glänzt wie´n ausstellungsstück (zwischen den einzelnen klarlack-gängen natürlich immer wieder anschleifen mit immer feinerem schmirgel)

7- dann teilt man den gedübelten klotz, hat jetzt zwei halbformen, die man auf eine möglichst vollkommen ebene (beschichtete) holzplatte aufschraubt

8- mit diesen beiden modellhälften werden nun die negativ-halbschalen hergestellt, aus denen der eigentliche rumpf, genauer gesagt, die beiden hälften des rumpfes, später abgeformt werden können

dazu werden die holzmodellhälften zunächst mal mit nem trennmittel gründlich eingewachst (gewöhnliches bohnerwachs reicht dabei vollkommen) und nach austrocknung des wachses mit ner ersten lage kunstharz bestrichen (im modellbau erhältlich ebenso wie härter und aerosil, einem dickmacher fürs harz)

9- anschließend wird die erste lage glasfasermatte per hand aufgelegt und in die erste harzschicht "einmassiert" unter beigabe der nächsten harzschicht

10- dabei sollten keinerlei blasen sichtbar werden

11 - der nächsten harzschicht folgt die nächste glasfasermatte usw. ... 3-4 schichten sollten für die form ausreichen

12 - das ganze lässt man ne geraume weile austrocknen (min. 24 h) und hat am ende dann die form für die späteren rumpfhälften. im folgenden ein bild einer solche formhalbschale (sie gehört zu dem grossen catamaran). ihre schwarze einfärbung erhielt sie schon beim harzen der ersten schicht. dies hat den sinn, dass man im nächsten schritt bei der herstellung der eigentlichen rumpfhälfte besser erkennen kann, ob die glasfasermatten auch vollkommen harzgetränkt sind und sich keine blasen gebildet haben zwischen den schichten 

13 - diese form bestreicht man nun von innen wieder mit dem trennmittel bohnerwachs, dann kunstharz drüber, glasfasermatte usw. und wie oben schon beim bau der form beschrieben

   

14- anschließend werden noch die ränder sauber abgeschnitten und die rumpfhälften mit nem harzgetränkten glasfaserband verbunden, mit tesa getapt ... und fertig ist schon mal der schiffsrumpf

 

15- ebenso können ruder, kielstutzen und deckel in dieser weise geformt werden 

16 - als verbindungsteile werden dann noch messingröhrchen eingeklebt

17 - und der bleikiel hergestellt mit hilfe einer vorher hergestellten holzform, die als modell für die spätere bleibombe dient

18- diese holzform wird dann in gips gedrückt (zur hälfte) 

19 - in diese "halbform-negativ-gipsschale" wird dann blei gegossen, wozu man reifenauswuchtgewichte von tankstellen oder kfz werkstätten gut gebrauchen kann

20 - die bleikielhälften noch zusammengeklebt, bisserl spachteln, schleifen, schmirgeln ... und fertig ist nun auch der kiel

21- bis auf die lackierung (nach vorherigem spachteln und anschmirgeln) ...

zum lackieren eigenen sich hervorragend die farbsprays, die´s so im handel gibt, vorher natürlich mit dazu passendem material grundieren

22 - ein paar flotte aufkleber noch draufgepappt (zb. aus dem bereich surfsport gibts da ne menge)

23 -  aus einem alu-röhrchen wird dann noch der mast gebaut

24 - und das segel (zb. aus drachenbespanntuch)

25 - das ganze dann noch ordentlich fixiert mit schnüren oder bei größeren modellen, wie dem unten abgebildeten über 2m hohen katamaran, mit dünnem stahldraht, denn bei diesem grossen modell treten ziemliche kräfte auf. im modellbauzubehör gibts übrigens sehr gute beschlagteile für den modellsegelsport mit größeren booten. der abgebildete cat hatte u.a. einen drehbaren mast aus tropfenförmigem aluprofil, verstellbare wantenspanner, die auf einer schiene mit schlitten auch noch verstellbar in ihrem zugwinkel waren, etliche umlenkrollen für die schoten, die zur segelwinde führten usw. beim bau eines cats ist ungeheur wichtig, eine möglichst starre verbindung der beiden rümpfe zu erreichen. die von mir benutzten aluminiumstangen waren trotz zusätzliche verstagung jedenfalls nicht ganz in der lage, bei stärkerem wind sämtliche kräfte aufzunehmen, wie man an dem folgenden bild sieht 

auch dem einbau einer fernsteueranlage steht dann nichts im wege, und wenn man ein wenig sorgfältig gearbeitet hat, erhält man ein modell, das wie "gekauft" ausschaut ... wie dieser 1,50 m lange ferngesteuerte cat (ein kanal fürs ruder, einer für die segelwinde) mit über 1qm segelfläche, mit dem man prächtig surfer ärgern kann (bis etwa beaufort 3, dann wird diese kanonenkugel ´n bisserl unberechenbar, denn man kann sie halt nich reffen).

jener  cat (hier bei einem ausritt auf dem veerse meer) war - weil cats nu mal kentern können in ner starken bö - aus sicherheitsgründen - ausgestattet mit ner styroporkugel im top des mastes (bei viel welle auch deren zwei), die genau dies durchkentern verhinderte :-)  ... das geniale (passierte leider nich immer, sonst hätt ichs mir patentieren lassen:-): wenn das boot mal gekippt war und nur noch durch die styroporkugeln am durchkentern gehindert wurde, dreht es sich (in etwa 2-3 minuten) so mit der mastspitze in den wind, dass selbiger so unter das segel strich, dass das ganze boot (statistisch in etwa 7 von 10 fällen:-) von ihm wie von geisterhand wieder aufgerichtet wurde ... eine irre show, mit der ich mal ´nen ganzen surferstrand unterhalten konnte, als mir dies dreimal hinternander gelang (was aber auch rekord war:-)

spaßige ideen ?

nun war der cat ja irgendwie erst prototyp und diverse optimierungen wurden - zumindest mental - in erwägung gezogen. geplant war zb.:  

ne kleine wasserpumpe, die a) wasser von außen als ballast in einen der rümpfe transportieren konnte (und wieder heraus) ... und auch in der lage war, b) dieses ballastwasser auch von rumpf zu rumpf zu pumpen (nach ner wende hebt sich ja quasi das "andere bein" und müsste nun gewichtsmäßig ausgetrimmt werden ... sprich: wasserballast rüber in den andeen rumpf) ... das, was in reality die crew macht (von einem rumpf zum anderen turnen). zur damaligen zeit gabs keine pumpe auf dem markt, die dies in ner vernünftigen zeit schaffte, denn beim aufkreuzen entfernte sich das ding so schnell von mir, dass die wenden sehr schnell gemacht werden mussten ... zu schnell für jede pumpe auf dem markt

bei realen regattabooten, die mit wasserballast trimmen, gibts dieses problem übrigens auch .... dann wird dort "hand angelegt":-)

so kam ich auf die (auch scalemässig ganz nett ausschauende idee), mir als trimmgewicht ein steuermännlein aus blei zu giessen (oder deren zwei für starkwind:-), die auf einer halbkreisförmigen schiene mit ner weiteren winde hin- und hergezogen werden sollten, um den jeweils steigenden rumpf auszutrimmen :-)

iss aber nich mehr dazu gekommen, denn das dingen war auch so schon spaßig genug :-)

 

nachbetrachtung:

derartige arbeiten mit kunststoff mache ich in der schule mit kindern nicht mehr. warum?? selbst bei bester instruktion und größtmöglichen sicherheitsvorkehrungen bleibt ein risiko, und zwar ein gesundheitliches. kunstharz in verbindung mit den härtern iss nix für kinderhände. es reagiert oft unberechenbar, je nach luftfeuchtigkeit, raumbedingungen und alter der stoffe. das zeuch hat zudem ne nur sehr geringe verarbeitungszeit, erwärmt sich nach ner weile und fängt an zu kochen ... und gibt dabei dämpfe ab, die nicht empfehlenswert sind. außerdem ists zum teil ein elendes gepampe, wenn man das kunstharz in die matten "massiert". auch schutzhandschuhe sind oft nicht ausreichend. irgendwie kriegt die haut dann doch was ab, was oft zu allergieähnlichen ausschlägen führt 

 

pläne

in nächster zeit werd´ich mal versuchen, ein solches modell eines historischen america cuppers so aus holz nachzubilden, dass man es auch zu wasser lassen und mit ner fernsteuerung dort bewegen kann. das oben abgebildete ca. 1m lange standmodell besticht schon mal - trotz holzbeplankung durch seine unglaubliche leichtigkeit ... testweise aufschneiden würd ichs allerdings nicht  

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